Danish Design - von den Ursprüngen bis heute

Was ist Danish Design, wo kommt es her und wodurch zeichnet es sich aus? Hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Bereiche von Archeitekur bis zu Produkt Design.

Vor allem Touristen verbinden mit Dänemark leider oft nur Smørrebrød, Sandstrände und eine "hyggelige" Atmosphäre. Aber nichts davon hat so dazu geführt, dass das Land zwischen Kattegat und Nordseeküste immer wieder weltweit in aller Munde ist, wie das "Danish Design". Doch dahinter verbirgt sich nicht nur eine Design-Linie oder ein bestimmter Designer, sondern eine große Bandbreite von verschiedensten Gegenständen und Bauwerken sowie Designern und Architekten.

So entstand das Danish Design

Die Erfolgsgeschichte des Danish Design begann in der Mitte des 20. Jahrhunderts. 1950 entwarf der Designer Finn Juhl die Einrichtung des Treuhandrats-Saals im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Erstmals gelang es, das, was Danish Design ausmacht und auszeichnet, in die ganze Welt hinauszutragen: hohe Qualität sowie ein klares und einfach strukturiertes Design, das sich an den Bedürfnissen seiner Nutzer orientiert. Doch die Möbel von Finn Juhl sollten nicht die einzigen bleiben, die dem Danish Design zu einem weltweit beachteten "Auftritt" verhalfen: 1960 fand in den USA das erste Rededuell zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten statt, das im Fernsehen übertragen wurde. Die Kandidaten Richard Nixon und John F. Kennedy nahmen dabei auf Stühlen Platz, die der dänische Designer Hans J. Wegner bereits 1949 entworfen hatte.

Diese runden Stühle hatten ihm zwar bereits vor dem Fernsehduell zum Durchbruch verholfen, trugen nun jedoch seinen Ruf auch in eine breite Öffentlichkeit, die sich dem Thema Design bislang nicht unbedingt zugewendet hatte. Dieser Stuhltyp ging unter dem Namen "The Chair" in die Designgeschichte ein und wird bis heute in Dänemark hergestellt. Obwohl Hans J. Wegner mehr als 500 verschiedene Stühle entworfen hat besteht Einigkeit darüber, dass bei "The Chair" anhand der perfekt gearbeiteten Verbindungen und der hochwertigen Formgestaltung am deutlichsten sichtbar wird, dass der weltbekannte Designer sich vor allem als Tischlermeister verstand und sich erst in zweiter Linie als Designer sah.

Das Danish Design erobert alle Lebensbereiche

Einem anderen dänischen Designer genügten seine Initialen, um seine Stücke zu benennen: Der bereits 1967 verstorbene Poul Henningsen war mit seinen Lampen, deren Bezeichnungen er ein "PH" voranstellte, seiner Zeit voraus. Damals wie heute gelten alle der mehr als 100 von ihm entworfenen Leuchten nicht nur hinsichtlich ihres Designs, sondern auch der Art, wie sie einen Raum beleuchten, als modern und wegweisend. Die beliebteste seiner Lampen ist unter dem Namen "PH Lamp" bekannt geworden. Dabei handelt es sich um eine 3-strahlige Hängelampe aus Metall und Glas.

Doch Danish Design beeinflusste auch die Architektur: Arne Jacobsen beschränkte sich nicht nur auf das Entwerfen von Einrichtungsgegenständen, sondern setzte seine gestalterischen Vorstellungen auch in größeren Bauprojekten um. Unter seiner Leitung wurde von 1956 bis 1960 in Kopenhagen das "SAS Royal Hotel" (heute: Radisson Blu Royal Hotel) gebaut. Jacobsen gestaltete jedoch nicht nur das Gebäude, sondern entwarf auch die Möbel, Textilmuster, Lampen und sogar das Besteck des Hotelkomplexes. Aus dieser Zeit sind die beiden Design-Klassiker "The Egg" und "The Swan", zwei damals wie heute beliebte Sessel, hervorgegangen. Seither wurde das Hotel mehrmals renoviert und umgebaut. Wer jedoch einmal inmitten von klassischem Danish Design wohnen möchte, sollte sich das Zimmer 606 mieten: Dort sind noch alle Details im Originalzustand erhalten.

Ein weiteres Großprojekt Jacobsens war der Bau der Bellavista-Siedlung im dänischen Klampenborg nördlich von Kopenhagen in den 1930-er Jahren. Mit ihr verwirklichte er seine Vorstellung davon, wie modernes Wohnen aussehen sollte. Die Anleihen an den Bauhaus-Stil waren angesichts der kubischen Grundstruktur der Gebäude bei dieser nach funktionalen Kriterien errichteten Siedlung nicht zu übersehen. In Klampenborg sind auch weitere Beispiele seines Schaffens bis heute erhalten: Nachdem Jacobsen eine Ausschreibung gewonnen hatte, in der es darum ging, den Klampenborger Strandbereich touristisch aufzuwerten, entwarf er sämtliche nötigen Gebäude. Unter der Bezeichnung "Bellevue Beach" entstanden beispielsweise geometrische Kioskgebäude und ein blau-weiß gestreifter Aussichtsturm für die Strandrettungswache. Das „Bellevue-Theater“ ist mit seinen geschwungenen äußeren Linien und der Innenverkleidung aus Strandkorbstoff und Rohr im Originalzustand belassen worden. Dieser kurze Film über Arne Jacobsen bietet einen Einblick in sein Lebenswerk und stellt Parallelen zu anderen zeitgenössischen Architekten und Designern her.

Jørn Utzon war ein weiterer Architekt, der dem Danish Design auch außerhalb Dänemarks zu großem Ansehen verhalf: Mit dem Auftrag zur Gestaltung der Oper von Sydney wurde er 1957 mit einem Schlag in die Gruppe der Architekten katapultiert, die auf der ganzen Welt mit den angesehensten und anspruchsvollsten Bauprojekten beauftragt werden. An dieser Entwicklung änderte sich auch nichts, obwohl Utzon wegen massiver Kostensteigerungen während der Bauphase vom Projekt ausgeschlossen und das Opernhaus unter dem Einfluss zahlreicher baulicher Kompromisse ohne ihn fertiggestellt wurde. Seine Kritik hinsichtlich der Folgen der Einsparungen für die Akustik und Ästhetik des Opernhauses hat sich im Nachhinein als berechtigt erwiesen. Bereits 1963 wurde er mit der Errichtung der Melli-Bank in Teheran und 1972 mit dem Bau des Parlamentsgebäudes in Kuwait beauftragt.

Der Geist der Begründer des Danish Design lebt bis heute fort. Gern werden Einzelteile mit modernem Design verbunden. Heute sind Designer wie Louise Campbell, das Haus Normann Copenhagen, Cecilie Manz oder die Label „Muuto“ und "HAY" die Protagonisten des modernen Danish Design. Alles, was sie entwerfen, trägt jedoch die Idee des ursprünglichen Danish Design aus den 1950-er Jahren weiter.


Danish Design ist alltagstauglich

Wer darauf achtet, dem begegnet Danish Design nicht nur in Dänemark immer wieder. Die Weiterentwicklung des Danish Design hat seinen Erfolg bis in die heutige Zeit hinein gefestigt. Die hochwertige Herstellung sowie die Orientierung an der Symbiose aus Design und Alltagstauglichkeit haben dazu geführt, dass das Danish Design nicht nur immer bekannter, sondern auch immer beliebter wurde.

Bereits 1925 wurde von Peter Bang und Svend Olufsen das heute weltweit für hochklassige und -preisige Unterhaltungselektronik und Telefongeräte bekannte Unternehmen Bang & Olufsen (B&O) gegründet. Bis Ende der 1940-er Jahre konzentrierten sich die Firmeninhaber eher darauf, technisch hochwertige und innovative Geräte herzustellen. Erst ab etwa 1950 trat das Design der Produkte mehr und mehr in den Vordergrund. Mehrere namhafte Designer übernahmen die Verantwortung für die Gestaltung der Produkte, unter ihnen international angesehene Industriedesigner wie Acton Bjørn oder Jacob Jensen. Mit Acton Bjørn hatte die Firma den Inhaber eines der ersten Planungsbüros in Dänemark für industrielles Design zur Zusammenarbeit gewinnen können. Seit dieser Zeit ist auch der deutliche Bauhaus-Einfluss auf alle von B&O hergestellten Geräte unübersehbar. Das Credo "weniger ist mehr" prägt bis heute die Firmenphilosophie und wird auch beim Zubehör eingehalten: Die Universalfernbedienung regelt nicht nur B&O-Geräte, sondern auch Geräte von Konkurrenzherstellern. Außerdem lassen sich mithilfe von Zusatzgeräten sogar Heizung, Licht, Rollläden und motorisierte Leinwände ansteuern.

Seit 1960 hat Danish Design auch Einzug in den Haushalt gehalten: Mit der Gründung der Firma Stelton A/S in Kopenhagen entstand ein Hersteller für hochwertige Haushaltsgegenstände, wobei das Spektrum vom Kaffeeservice über die Eiszange bis zur Thermoskanne reicht. Nachdem das Unternehmen zunächst nur Möbel und Sportschuhe verkauft hatte, änderte es 1963 seine Geschäftsstrategie: Peter Holmblad trat als Exportmanager in die Geschäftsführung ein und konnte seinen Stiefvater, den bekannten Designer und Architekten Arne Jacobsen, von einer Zusammenarbeit überzeugen. Jacobsen entwarf eine Geschirrserie, die aus hochglanzpoliertem Edelstahl gefertigt wurde und unter dem Namen "Cylinda Line/Cylinder Line" den Ruf der Firma Stelton als Hersteller von qualitativ hochwertigen und formschönen Haushaltsgegenständen begründete. 1967 begann der Vertrieb der Serie, die Jacobsen bis zu seinem Tod im Jahr 1971 beständig erweiterte. Für die Cylinda Line/Cylinder Line wurden ihm mehrere international beachtete Designpreise verliehen. Erik Magnussen entwarf 1976 die Thermoskanne "Stelton termokande", die durch ein zeitloses Design und die Verwendung des farbenfrohen Kunststoffs Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ASB)auffiel. Ursprünglich sollte sie die Cylinda Line von Arne Jacobsen ergänzen. Aufgrund ihrer großen Popularität wird sie jedoch bis heute verkauft.

Doch Danish Design eroberte sogar die Kinderzimmer auf der ganzen Welt. Der Tischlermeister Ole Kirk Christiansen gründete 1932 zusammen mit seinem Sohn Godtfred eine Firma, in der Holzspielzeug hergestellt wurde. Er fertigte zunächst Bauklötze an und gab dem Unternehmen zwei Jahre nach seiner Gründung den Namen, der bis in die heutige Zeit weltweit Kinderherzen höher schlagen lässt: LEGO. Dieser Firmenname war die Kurzform für das dänische "leg godt", was so viel wie "spiel gut" heißt. Die ersten Legosteine wurden 1949 hergestellt, hatten aber noch nicht die heute bekannten Merkmale: Es handelte sich um bunte Quader aus Celluloseacetat, die zwar schon die Noppen auf der Oberseite hatten, aufgrund der hohlen unteren Seite jedoch keine stabilen Gebilde ermöglichten. Als aber später in die Unterseite hohle Röhren eingebaut wurden, in die die Noppen des darunter liegenden Bausteins eingekuppelt werden konnten, war das Stabilitätsproblem gelöst. Dieses Prinzip war ab 1958 für 30 Jahre patentgeschützt. Um noch mehr Baumöglichkeiten zu schaffen, wurden genoppte Grundplatten und Modellbausätze eingeführt. Um möglichst realistische Modelle anfertigen zu können, waren dann auch Zusatzteile wie z. B. Zahnräder, Fahrzeugräder, Dachelemente, Fensteröffnungen, Antriebsriemen sowie menschliche und tierische Figuren erhältlich. Auch bei den Legosteinen finden sich die Prinzipien des Danish Design: Sie zeigen die Einfachheit und Funktionalität, die allen Produkten und Bauwerken dieses Designtyps zugeschrieben werden. Grundsätzlich ist es möglich, einen Legostein der ersten Generation mit einem heutigen zu kombinieren, da sich an den Abmessungen nichts geändert hat. Geändert hat sich lediglich das Material: Statt des Celluloseacetats wird seit 1963 der Kunststoff ABS verwendet, der resistenter gegen Verformungen ist als sein Vorgänger. Das Sortiment wurde um einige Serien erweitert, die sich an spezielle, bis dahin neue Zielgruppen richteten: Modulex (ab 1963) beinhaltet Modellbausteine für Architekten, die Produktreihen "Soft" und "Duplo" richten sich an Kleinkinder unter drei Jahren, "Primo"-Elemente sind für Babys gedacht, andere Serien (z. B. "Technic" und "Bionicle") wurden für ältere Kinder entwickelt.

Was mit vielen Steinen und reichlich Geduld mit Legosteinen möglich ist, beweisen die "Legoländer" sehr anschaulich und beeindrucken. Diese Freizeitparks zeigen Wahrzeichen aus der ganzen Welt, die mithilfe von Legosteinen maßstabgetreu nachgebildet wurden und haben Fahrgeschäfte, die stilistisch an die Lego-Bauweise angelehnt sind. Das erste Legoland entstand 1968 in Billund und wurde sowohl für Einheimische als auch Touristen zu einem Publikumsmagneten. Wegen des großen Erfolgs wurden nach und nach weitere "Legoländer" eröffnet: 1973 in Sierksdorf (bis 1976), 1996 in Windsor/GB, 1999 in Carlsbad/Kalifornien, 2011 in Winter Haven/Florida und 2002 im deutschen Günzburg.

Das Beste aus der Welt des Danish Design

- hier kann man es in Dänemark erleben

Man muss nicht um die Welt reisen, um sich einen umfassenden Eindruck über das Danish Design zu verschaffen. Wer sich für die Geschichte und Hintergründe dieses Stils interessiert, hat dazu in Dänemark viele Möglichkeiten.

In Kopenhagen können Interessierte im "Designmuseum Danmark" Halt machen (Bredgade 68 / 1260 København K; geöffnet: Dienstag – Sonntag von 11 - 17 Uhr, Mittwoch von 11 am- 21 Uhr). Das bereist 1895 gegründete Museum präsentiert seinen Besuchern Dauerausstellungen über dänische Designer. Es werden Stücke von Poul Henningsen, Jacob Jensen, Kaare Klint und Arne Jacobsen gezeigt, die beispielhaft für ihr Schaffen als Designer oder Architekt stehen. Das Designmuseum präsentiert unter anderem die von Arne Jacobsen für das SAS Royal Hotel entworfenen Sessel "The Egg" und "The Swan". Die Dauerausstellungen werden durch zeitlich begrenzte Themenausstellungen ergänzt. Darüber hinaus werden neben internationalen auch dänische Kleidungsstücke und Textilien ausgestellt. Ein außergewöhnliches Angebot ist die museumseigene öffentliche Bibliothek: Sie ist die größte ihrer Art in Skandinavien, die speziell zu den Bereichen Kunstgewerbe und Design Spezialliteratur bereithält.

Wie in vielen Museen üblich gibt es auch hier ein Museumscafé: Im "Klint" sind die Gäste von Möbeln der Designer Poul Kjærholm und Hans J. Wegner umgeben und essen vom Geschirr der Designerin Ursula Munch-Petersen aus der Porzellanfabrik Royal Copenhagen.

Genau gegenüber des Vergnügungsparks Tivoli befindet sich das "Danish Design Centre (DDC)" (HC Andersens Boulevard 27/-DK 1553 København V; geöffnet: Montag - Freitag von 08 bis 18). Das Gebäude mit seinen 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche wurde von dem dänischen Architekten Henning Larsen entworfen und 1978 eröffnet. Es bietet seinen Besuchern Dauerausstellungen mit dem klaren Schwerpunkt auf dänischem Industriedesign, Vorträge und Wechselausstellungen. Das DDC zeigt die unterschiedlichsten Beispiele für Danish Design, die allesamt weltbekannt geworden sind: Neben Hi-Fi-Geräten von Bang & Olufsen finden sich beispielsweise der Vipp-Mülleimer und Lego-Steine. Es werden darüber hinaus zahlreiche Exponate der Porzellanfabrik "Royal Copenhagen" sowie des dänischen Silberschmieds Georg Jensen gezeigt - auch wenn er kein typischer Vertreter des Danish Design ist, sondern eher der Art Nouveau zuzurechnen war. Besucher können im Anschluss an einen Rundgang Andenken oder Fachliteratur im angeschlossenen Buchhandel erwerben oder sich im hauseigenen Café stärken. Das Haus beherbergt noch eine weitere Besonderheit: Den ersten Stuhl, der nur aus einem Stück Kunststoff hergestellt wurde. Der Designer Verner Panton gab ihm den schlichten Namen "Panton Chair" und legte so den Grundstein für seine Karriere.

Ein Muss für Technikfans ist das “Bang & Olufsen”-Museum in Struer (Søndergade 23-25/7600 Struer; geöffnet: Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, an den Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr). Für den Besucher ist das Museum mit seinen 1.000 Quadratmetern Fläche eine Zeitreise von über 80 Jahren Firmengeschichte - von den Anfängen in den 1920-er Jahren bis ins 21. Jahrhundert. Der dänische Designer Freddy Nielson hat das Gebäude entworfen, das insgesamt 5 Mio. Euro gekostet hat. Die Gäste lernen das Danish Design dort also sowohl in seiner architektonischen als auch technischen Ausgestaltung kennen.

Wer sich dafür interessiert, wie sich ein dänischer Architekt sein Eigenheim im Danish Design vorstellt, ist im Wohnhaus von Finn Juhl genau richtig. Er hat es 1942 in Kopenhagens Vorort Ottrop Charlottenlund (Kratvænget 15) gebaut und vollständig mit selbst entworfenen Möbeln eingerichtet. Es teilt sich in zwei Teile auf, die im rechten Winkel zueinander stehen. Sie sind mit einer Eingangshalle miteinander verbunden und bieten von jedem Raum aus einen Blick in den angrenzenden Garten. Die Bauweise ist so offen gestaltet, dass man in jedem Zimmer in das jeweils angrenzende sehen kann. Trotzdem sind die Räume in sich abgeschlossen und haben eine jeweils eindeutige Funktion.

Designer und Architekt Finn Juhl

Finn Juhl ging bei der Planung seines Hauses sehr ungewöhnlich vor: Die äußere Erscheinung spielte für ihn eine nachgeordnete Rolle. Vielmehr dachte er sich in sein künftiges Haus hinein und plante gewissermaßen von innen nach außen. Wichtig war für ihn auch das visuelle Gleichgewicht zwischen den Fenstern und den Mauern und der Einfall des Sonnenlichts.

In Kolding/Mitteljütland befinden sich gleich zwei Highlights des Danish Design: Das 1988 eröffnete Museum Trapholt und das Ferienhaus des Architekten Arne Jacobsen.

Das Museum Trapholt (Æblehaven 23/6000 Kolding; geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch von 10 bis 20 Uhr) verfügt über eine große Möbelsammlung, dänische Skulpturen sowie Kunst, Textilien und Keramik. Es ist für seine große Bandbreite an Exponaten von den bekanntesten und bedeutendsten Designern und Architekten bekannt. Die Sammlung reicht von Stücken von Kaare Klint und Poul Hennigsen bis zu neueren Exponaten von Verner Panton und Nanna Ditzel.

Im Garten des Museums befindet sich eine Besonderheit: das aus dem Jahr 1969 stammende Kubeflex Ferienhaus von Arne Jacobsen, das aus kubischen Elementen besteht. Es befand sich ursprünglich in Vordingborg auf Seeland und wurde dann in den Museumsgarten umgesetzt. Dort kann man es besichtigen und auf Wunsch sogar seine Ferien inmitten von Originalmöbeln und von selbst entworfenen Gebrauchsgegenständen des Designers verbringen.

In Aarhus ist die einzigartige Zusammenarbeit mehrerer Architekten und eines Designers des Danish Design zu besichtigen: das Rathaus. 1936 hatten die Architekten Arne Jacobsen und Erik Møller einen Architekturwettbewerb der Gemeinde Aarhus gewonnen und ihr damit zu einem baulichen Höhepunkt des funktionalistischen Danish Design verholfen. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sind noch zahlreiche Original-Elemente aus den 1940-er Jahren erhalten. Dazu gehören z. B. der wegen seiner Holzverkleidung bekannte Hochzeitssaal, der gläserne Fahrstuhlschacht oder die drei hölzernen Fahrstuhlkabinen. Die Inneneinrichtung wurde von dem Designer Hans J. Wegner entworfen.

Danish Design - virtuell

Das "Danish Design Museum" war ein privates Museum in Randers, das Besuchern von 2009 bis 2013 offen stand. Nach seiner Schließung wurde der Schwerpunkt darauf gelegt, die Exponate nur noch im Internet vorzustellen. Auf den Webseiten Danish Design Museum und Facebook Danish Design Museum haben Designinteressierte nun die Möglichkeit, sich bereits von zu Hause aus einen Eindruck über die Vielfalt des Danish Design zu verschaffen. Die gezeigten Stücke stammen aus Auktionsverkäufen, viele wurden jedoch auch gespendet. Das Spektrum reicht von Haushalts- und Gebrauchsgegenständen bis zu Skulpturen.

Danish Design - hier kann man es sich nach Hause holen

In Kopenhagen begegnet den Menschen Danish Design quasi auf Schritt und Tritt. Will man sich Einzelstücke für das eigene Zuhause kaufen, ohne den Geldbeutel zu sehr zu strapazieren, bieten sich vor allem zwei Möglichkeiten an: die Flohmärkte und die Auktionshäuser.
"Den Blå Hal" (Die blaue Halle) im Stadtteil Amager ist zumindest bei Touristen noch weitgehend unbekannt. Unter der Anschrift Ved Amagerbanen 9 kann hier in einer alten Lagerhalle an den Wochenenden zwischen 10 und 16 Uhr nach Geschirr, Lampen und Möbeln gestöbert werden.

Auf dem Antiquitätenmarkt am Israels Plads kann man immer samstags von 8 bis 15 Uhr von April bis Oktober ausgesuchte Antiquitäten in allen Preislagen finden.In der Ravnsborggade sind zahlreiche Läden, die Antikes anbieten, während die Jægersborggade zum Stöbern in kleinen Keramikgeschäften einlädt.

In der Bredgade liegen mehrere Auktionshäuser in direkter Nachbarschaft zueinander. Das bekannteste ist Bruun Rasmussen. Seit 1948 verkauft das Auktionshaus Antiquitäten, die "unter den Hammer" sollen. Darunter finden sich auch viele Angebote im Danish Design. Die zu den Auktionen zum Verkauf stehenden Stücke können sich Interessenten auf der Website Bruun Rasmussen vorab ansehen.

Wer Kopenhagen besucht, dem erschließt sich die Besonderheit des Danish Design schon nach kurzer Zeit - was auch daran liegt, dass es den Besuchern nicht nur in Museen, sondern in der ganzen Stadt begegnet und in Dänemark Teil des Alltags ist. Danish Design kann durchaus als eine Art Markenzeichen verstanden werden, das stellvertretend für die dänische Lebensart steht und seine Botschaft vor 60 Jahren ebenso wie heute in die ganze Welt schickt.